Wetter-Fest 
09. Dezember 2015
00 Uhr

Eigentlich denkt man, dass Tage, an denen es regnet, stürmt, dazwischen sogar schneit, nicht gerade ideal für ein Fashion Shooting im Freien sind. Doch wenn man in Schottland ist, rechnet man all dies natürlich ein und wäre vermutlich sogar enttäuscht, wenn es anders käme. Was soll ich sagen – ich wurde schließlich selbst von der alten eitlen Sonne belohnt, die effektheischend durch die Wolken brach und einen Regenbogen auf den Himmel über der Nordsee malte. Zumindest beim ersten war ich noch hin und weg. Als dann der zweite, dritte, siebente Regenbogen am Firmament leuchtete, überlegte ich mir, wie man den wohl mit Photoshop wieder wegbekommt.
Normalerweise machen Fotografen es ja umgekehrt. Aber ich ließ ihn stehen, trug unter dem Farbenspiel Mütze und Jacke von den schwedischen Outdoorstylern Stutterheim und den früheren Ehering meiner geschiedenen Eltern. Den gibt’s natürlich nirgends im Einzelhandel. Zudem: Lee-Jeans und Hunter-Regenstiefel.
Vor der Destillerie von Ardbeg Whisky habe ich Mantel, Pullover und Hose von Altendorfer-Studios an, einem herrlichen neuen Label von Freunden aus Berlin.
In der Tweed-Weberei Islay Woollen Mill, wo das englische Königshaus seine speckigen Jacken für die Entenjagd bestellt und Kostüme für „Braveheart“ angefertigt wurden, trage ich eigens ziemlich kontrapunktisch ein legeres Outfit von Marc O’Polo. Die Schuhe, nicht von alten Schustern von Hand genagelt, sondern coole Asos.
Zwischen Sherry-Fässern halte ich ausschließlich in Zara dem Regen stand, nur das T-Shirt kommt von Topman und die Schuhe von COS.
Nah am Abgrund sollte man bekannterweise etwas schicker gekleidet sein, man weiß ja nie. Deshalb wage ich mich nur mit der italienischen Mode von Pal Zileri fesch auf die Klippen vor der tosenden See.
Das eigentlich bemerkenswerte Farbenspiel dieser Schottlandreise zeigte sich an den bemoosten Küstenfelsen der Insel Isley, in das sich glücklicherweise das grafische Outfit von COS perfekt einpasste. Sonnenbrille von Mykita.
Besonders verdutzte Blicke erntete ich von den Arbeitern der Destillerie, die sich wunderten, wieso ich mich so oft umzog. Als ich schließlich einen blitzblauen Mantel von Bally trug, hielten sie mich vielleicht für einen besonders aufgestylten Schafhirten. Hose, Rucksack, Hemd und Fliege ebenfalls von Bally, Schuhe wieder mal von Papa.
Wie funktional Designermode bei aller Schönheit sein kann, zeigte der superschicke, leicht durchsichtige Mantel von Zegna, bei dessen Aufnahmen mich zum Schluss ein krasser Regenschwall erwischte.

Fotos by Konrad Borkowski