Catch Me Yves You Can 
27. Januar 2016
00 Uhr

Manchmal gibt es die ganz große Liebe nicht nur zwischen zwei Menschen, sondern zwischen einem Menschen und einem Ort. Es ist dann auch völlig egal, ob sie sich wieder trennen, sie werden unwiderruflich miteinander verbunden sein. Eine dieser außergewöhnlichen Affären war jene zwischen dem großen Couturier Yves Saint Laurent und Marrakesch. 1966 war er zum ersten Mal nach Marokko gekommen, das ihn sofort an das verlorene Paradies seiner algerischen Heimat erinnerte und dessen nordafrikanischer Stil ihn massiv inspirierte. Einerseits wurde Marrakesch für den exzessiven Yves, der in Paris nicht selten am Abgrund taumelte, ein Rückzugsort, andererseits kreierte er hier seine wunderbarsten Kleider, was man erst aus seinen posthum veröffentlichten Marrakesch-Tagebüchern erfuhr.

Man hat ja sofort die Bilder dieser irren Zeit im Kopf, den jungen Yves mit den schönsten Eseln, feiernd, lachend, tanzend mit seinem Freund Pierre Bergé, den Getty-Sisters, Andy Warhol, Loulou de La Falaise und Catherine Deneuve. Ich war mit Valerie nach Marrakesch gekommen, einer Freundin, die Modedesign studiert und von Saint Laurent sofort in seine wilde Gesellschaft aufgenommen worden wäre. Mich hätte sie dann schon irgendwie reingeschummelt. Im Prinzip fühlte es sich eh so an, als würden wir mit dieser mondänen Gang durch die Stadt tanzen, wo sie lange, bevor wir auf der Welt waren, herrliche Zeiten verlebte.
Meiner Modestrecke, die sogar zum Teil im Jardin Majorelle, der dem Couturestar und seinem Lebensgefährten gehörte, fotografiert ist, sieht man das hoffentlich an. Vielleicht liegt das daran, dass Yves selbst hierher zurückgekehrt ist. Pierre Bergé ließ die Asche seines Lebensgefährten nach dessen Tod 2008 in einem Rosenbeet des Jardin verstreuen.

Der Maler Jacques Majorelle, der den Garten 1919 anlegte, hatte eine besondere Leidenschaft für Kobaltblau. In seinem Atelier, das in dieser nahezu hypnotischen Farbe gestrichen ist, trage ich eine wundervoll weiche Kaschmirhose von Versace, ein Hemd von Etro, den Schal von COS natürlich hippielike um die Stirn geschlungen. Die Sonnenbrillen von Italia Independent reflektieren die nordafrikanische Sonne. Spektakulärerweise in ebenjenem Majorelleblau. Die Umhängetasche habe ich irgendwann mal auf dem Markt von Goa erstanden.

Über die Saharadüne unweit des Atlasgebirges stapfe ich in dieser Versace-Hose, einem wild bemalten Paul-Smith-Hemd sowie einem gelben Vintagemantel von Acne. Kopfschmuck und Brosche sind vom Berbermarkt in Sidi Ifni, dem letzten Fischerdorf vor der Sahara.

In Tafraoute, einem kleinen Dorf im Antiatlasgebirge, fragte ich einen alten Marokkaner, der eine bodenlange, weiße Berberkutte mit spitzer Kapuze trug, ob ich sein Auto leihen könnte. Er stimmte seltsamerweise zu. Auf dem Bild trage ich noch einmal das verrückte Paul-Smith-Hemd, eine Sonnenbrille von Mykita aus Berlin, und ich rauche eine Marlboro. Letztere schmeckte, weil ich eigentlich zu rauchen aufgehört habe, widerlich, ich sah aber mit ihr saucool aus.

Und wieder die Farbe Blau: das Meer hinter dem Legzira-Strand und eine der typischen bunten Türen Marokkos (mehr dazu demnächst). Auf beiden Bildern trage ich ein Versace-Hemd, das auch für einen sonnigen Januartag in Marokko entworfen sein könnte. Nudie-Jeans, eine Sonnenbrille von Calvin Klein. Außerdem einen Brusttasche von einem Markt auf den Philippinen sowie meine ausgelatschten Mallorquinas, von denen ich mich nicht trennen kann.

Auf dem Weg über den Antiatlas entdeckte ich einen malerischen Autoreifenfriedhof und wieder eine schöne bunte Tür. Hose und Hemd sind von COS, Schlappen und Schal habe ich vergangenes Jahr in Hampi, Indien, gekauft.

Der Legzira-Strand im Südwesten von Marokko ist für seine sensationellen Felsen berühmt. Ich habe mir ein rot schimmerndes Steintor ausgesucht, vor dem ich mit einer senfgelben Hose von Closed, einem Etro-Pullover und einem weiteren Amulett vom Berbermarkt posiere. Die Sonnenbrille ist von Calvin Klein.

Als Tramper an einer Straße, die über den Antiatlas führt, trage ich eine Art Sindbad-Hose, die ich allerdings von einem Markt in Bangkok habe, das Longsleeve ist von Paul Smith, das obere Amulett mit dem grünen Malachit habe ich in Indien von einem Hippie gekauft, das untere ist aus einem schwarzen Turmalin und von meiner Mutter. Sie ist Goldschmiedin und hat es selbst entworfen und produziert und ist fest davon überzeugt, dass es mich beschützt. Der Beutel ist schon wieder von einem Markt, nämlich einer Lederstraße in Marrakesch.