LALALA
17. Februar 2016
01 Uhr

Los Angeles und ich fremdeln seit jeher etwas miteinander. Ich halte die Stadt für einen der genialsten, aber auch frechsten PR-Gags der Welt. Am unverschämtesten ist natürlich Hollywood selbst. Wie malen wir uns bereits als Kinder diesen Ort in bunteren Farben aus, als es unser Malkasten herzugeben vermag. So glamourös und glänzend das alles sein mag. Doch Hollywood ist am Ende das Wolfsburg der Filmbranche, ein Ort, an dem tolle Dinge entstehen, bloß danach essen sie alle noch schnell was, um hernach dann flott ins Bett zu gehen.

Der Santa Monica Boulevard, der Walk Of Fame – das sind in Wahrheit eine Reeperbahn ohne coole Clubs, aber mit traurigeren Prostituierten. Und das nicht im übertragenen Sinne.

Die Stadt selbst ist ein riesiger Betrieb von Leuten, welche jenen dienen, die das geworden sind, was sie selbst nicht geschafft haben. Eine große Sklavenstadt an Gescheiterten. Ein „Game Of Thrones” der Gebotoxten auf High Heels, die gerne Königinnen wären. Noch eine Gemeinsamkeit gibt es mit der Serie: Die machtgeilen Zwerge haben den besten Sex. So habe ich die Stadt jedenfalls kennengelernt.

Der Supertramp-Ehrencodex besagt allerdings, dass kein Ort dieser Welt schlecht ist und jeder eine zweite Chance verdient. Meine Freundin Daniella, die Fotografin, die mich früher als Model und dann als Assistent engagiert und letztendlich zum Fotografieren gebracht hatte, fragte mich, ob ich mit ihr noch mal nach Los Angeles kommen würde. Ich zögerte erst, und sagte dann – wie immer – zu. Alles, was mich skeptisch macht, zieht mich in Wahrheit an.

Also: frischer Blick auf L. A., diese alte verlogene Diva

  1. Zweieinhalb Stunden von L. A. entfernt liegt eine Westernstadt namens Pioneertown inmitten des Nationalparks Joshua Tree – den manche von uns vom Titel des Albums der Band U2 kennen. Hier muss natürlich alles anfangen, denn der Ort startete als Kulisse für einen Westernfilm, ist dadurch erst realer Ort geworden. Ich fliehe in meiner Szene nach dem Überfall auf die Bank von Pioneertown in einem Anzug von Paul Smith, die vom Wüstensand eingestaubten Schuhe sind von COS.
  2. Jeder dunkelhaarige Junge fragt sich mindestens einmal im Leben, ob er wenigstens ein bisschen wie Johnny Depp aussieht. So did I. Der Pulli ist von Esprit. Der Rest des Outfits stammt vom lieben Gott. Ach nee, der Joint war vom Arzt verschriebenes Marihuana, wie es in L. A. nun mal üblich ist.
  3. Ein iranischer Milliardär vermietete Daniella seine Villa samt Pool mit güldenem Plastikschwan, dazu die Sonnenbrille von Dior, Klamotte von Etro, meine in Island erstandenen Vintage-Boots habe ich leider ebenda verloren.
  4. Das Mädel von eben, als ich Johnny Depp war, heißt Masha Rudenko und sieht manchmal aus wie Selma Hayek, manchmal jedenfalls.
  5. Der Kaktus ist für L. A., was für uns Deutsche die Eiche ist. Es bedeutet uns weniger, als die Legende besagt. Ich trage jedenfalls eine Hunter-Regenjacke sowie Hunter-Schlappen, eine Fendi-Sonnenbrille, die schwulen Shorts sind von American Apparel. Meine Sonnencreme ist von Banana Boat und schützt besser als Drachenblut, zumindest vor Sonne.
  6. Nochmal Joshua Tree, der Name bedeutet – so verriet mir die allwissende Muschel namens Wikipedia – „Großmut”. Das gefällt mir ungemein. Zu so einem Moustache trage ich natürlich ausschließlich Etro. Dazu einen Strohhut und Shades von Givenchy.
  7. Die Sonnencreme ist von Banana Boat.
  8. Die Tankstelle gehört zu den wichtigsten Orten der Filmgeschichte, ohne dass sie entsprechend gewürdigte wurde. „Bulletproof“, „Es geschah am hellichten Tag“, „Heat“, „Out Of Rosenheim“, „Zoolander“, „Die Drei von der Tankstelle“ … egal. Ich trage einen Overall von COS, die Sonnenbrille ist von Marc Jacobs.
  9. Einfach nur mal mit meinen Kopfhörern von B&O Play und Shades von Givenchy ausgestattet einem Hörbuch lauschen und in der Wüste chillen.