Styleonara
23. März 2016
08 Uhr

Von den Herren-Fashion-Weeks in Mailand, Paris oder Florenz kennt man diese japanischen Hipster, die stets außergewöhnlich und akribisch gestylt daherkommen. Ich dachte immer, das sind eben die modischen Ausnahmeerscheinungen Nippons. In Japan selbst stellte ich aber fest, dass sich alle so stylen. Dabei kommt den Japanern entgegen, dass die traditionelle japanische Kleidung so aussieht, als wäre sie gerade aus dem Atelier Dries Van Notens geleakt worden. Unseren Trachtenjankern wird das wohl kaum passieren.
In meinen Tagen in Tokio ist mir jedenfalls kein einziger Mensch über den Weg gelaufen, der sich nicht offensichtlich Gedanken über sein Outfit gemacht hätte. Und das nicht nur im Umfeld der Tokyo Fashion Week, deretwegen ich mich dort aufhielt. Die Looks auf den Straßen konnten in jedem Fall mit dem, was man auf den Laufstegen so sah, mithalten und animierten mich, eine Streetstyle-Strecke zu fotografieren. Allerdings wenn sich alle, comme il faut, abgefahren kleiden, dann müssen sich jene, die sich von der Masse abheben wollen, derart herrichten, dass sie mit ihren Looks in unseren Gefilden vermutlich von der Grünen Minna abgeholt werden würden.
Auf der Modenschau von byU, einer japanischen Linie des Designers Hiroki Uemura, hatte ich ein schönes Erlebnis. Ich trug einen Cardigan, den ich vor ein paar Wochen in Los Angeles erstanden hatte. Zwei Plätze neben mir saß eine amerikanische Lady, die mich ständig musterte. Irgendwann sprach sie mich an, woher ich das Teil hätte. Es stellte sich heraus, dass sie selbst es entworfen hatte. Welch witziger Zufall! Ihr Label Cosmo & Nathalia ist nämlich nicht besonders groß, es gibt gerade mal zwei Läden davon in L.A. Ich sah Nathalias Augen an, wie sie sich unendlich freute und wie stolz sie war.

Manchmal macht sie ja wirklich Spaß, unsere kleine (Mode-)Welt.