Ost-West-Beziehungen
17. Juli 2017
20 Uhr

Zum richtigen Berlin Besuch gehörte es lange Jahre, irgendwo bei irgendwem abzusteigen, egal ob da Platz oder gar ein Bett war, oder nicht.

Das kennt man als Münchner kaum, hier bei jemandem unterzukommen, ist ungefähr so, als würde man eine Green Card beantragen und wenn es dann mal klappt, dann trifft man auf Gastgeber, die sehr lange darüber nachgedacht haben, welche Süßigkeit und welches Parfum sie auf dem Nachttischchen des Gästezimmers drapieren und die für den gesamten Aufenthalt die vollumfängliche Aufmerksamkeit des Gastes beanspruchen.

Deshalb lieben wir es so in Berlin zu sein, wo man sich sicher sein kann, dass der Gastgeber bei der Ankunft bereits vergessen hat, dass man kommt und das auch okay ist, obwohl Johnny und Ulf blöderweise auch bereits da sind, aber es ja noch die Luftmatratze im Keller gibt und in Wahrheit eh keiner schlafen gehen wird.

Aber man wird ja älter, man hat auf einmal ne Freundin, mit der man es nicht cool findet auf der Luftmatratze in Anwesenheit der völlig verstrahlten Johnnys und Ulfs Liebe zu machen.

Also kommt man auf eine strange, altmodische Idee: man geht ins Hotel. Meine Modestrecke spielt in meinen beiden Lieblingshotels von Berlin, dem Soho-House im historischen Gemäuer eines jüdischen Großkaufhauses, dass später Hitlerjugend und SED als Hauptquartier diente, und das Hotel Zoo im Westen, das seinem Namen insofern gerecht wird, als das man bei offenem Fenster die Affen brüllen hört.

Vielleicht sind es aber auch bloß Johnny und Ulf, die besoffen über den Ku`damm torkeln.

Zur Mode: In Berlin ist inzwischen auch der Anzug angekommen, aber man outet sich dennoch nach wie vor als Gütersloher oder Wiesbadener, wenn man da im Super 100-Zweireiher rumrennt. Die Freunde von Joop! hatten diesbezüglich eine ideale Zwischenvariante, nämlich einen Anzug aus Jersey-Stoff, der auf geniale Weise nicht gut sitzt – und deshalb eben ganz besonders. Man hat das Gefühl, als fände einen der Anzug sexy, so schmiegt er sich an.

Das andere ist mein liebstes Daily-Wear, die Chelsea-Boots, die graue Jeans, das – wie man mir gerne sagt – Penner-Shirt, weil ich es wohl zu oft trage, und das filzige Jacket von Haider Ackermann.