Hot Springs
17. September 2017
22 Uhr

Der österreichische Kurort Bad Gastein ist – das wissen nicht viele – ein deutscher Schicksalsort. Denn hier plätschern radioaktiv-heilsame Quellen, die einst dem alten Kaiser Wilhelm I. über sein Rheuma hinweghalfen. Und so kam es, dass 27 Jahre lang der Regent mitsamt Bismarck und dem ganzen Hofstaat den Sommer hier verbrachte und das alte Kaiserreich sozusagen aus den Salzburger Alpen heraus regiert wurde. Das kleine Örtchen atmet noch heute die Mondänität der alten Zeiten, war aber in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich heruntergekommen. Ausgerechnet deutsche Kreative sind es, die es nun aus dem Dornröschenschlaf wieder wachgeküsst haben.

Dazu gehört der Hamburger Hotelier Olaf Krohne, der ein venezianisches Boutiquehotel „Das Regina“ betreibt, die in jeder Hinsicht köstliche Foodkuratorin Telse Bus, die mit zwei Kölner Jungs die ehemalige Jausenstation Rudolphshöhe zum kulinarischen Hotspot hochgejazzt hat oder aber auch der Berliner Allroundkünstler Friedrich Liechtenstein, der hier diverse Festivals betreibt. Der wichtigste Input kommt aber von der Hamburger Kunstsammlerin Andrea von Goetz und Schwanenfließ, die seit einigen Jahren das Prinzip Sommerfrische wieder belebt hat und zum Festival „Sommer.Frische.Kunst“ bittet.

Jeden Sommer kommen hier junge Künstler aus aller Welt und arbeiten einen Monat lang in einem stillgelegten Wasserfallkraftwerk an Arbeiten, die dann zum Artweekend präsentiert werden. Und da kommt dann eine Gesellschaft zusammen, die sich jedes metropolitane Kunstfest nur wünschen kann: Werbestar Eike Knüppel, Zukunftsforscher Matthias Horx oder Berlinale-Boss Dieter Kosslick, Lifestyle-Bloggerin Ilse Mittermaier, Galerist Johann König und die Kunststars Jorinde Vogt, Jeppe Hein oder Gerwald Rockenschaub laufen dann auf. Bei einem aus München importierten Salon von David Baum und Niki von Taysen wurden der Kunstkurator Sam Bardaouil und Till Fellrath (von der New York Times gekürt als wichtigstes Kurateorenpaar) und Kriegsreporter Paul Ronzheimer, der gerade aus Mosul eingetroffen war, in den alten Hotelhallen interviewt. Es war irre und irre interessant.

Und wie immer bei den Buona Sera-Salons, von denen ich ja schon berichtete, zauberte mein Lieblingskoch Philipp Hauers die herrlichste Lachsrilette und Kabsfleischpflanzerl. Er hat sich besonders Mühe gegebene, sagte er mir, weil Gastein ja die Heimat des Jahrhundertkochs Eckart Witzigmann ist. Am meisten begeisterten mich aber die alten Hotelruinen, die seit Jahrzehnten frei stehen und die eine gewaltige Kulisse für meine etwas delikateren Motive hergaben.