King Louis
28. April 2018
19 Uhr
Meine Lieblingsanekdote zu den berühmten Louis-Vuitton-Koffern mit den LV-Monogrammen stammt von Helmut Berger, diesem irren Superstar des europäischen Kinos, der mit seinem Lebensgefährten, dem Großregisseur Lucchino Visconti, Filmgeschichte geschrieben hat.
Als Berger auf dem Höhepunkt seiner Berühmtheit war, unheimlich sexy, unglaublich exaltiert, ist er in einen Louis-Vuitton-Laden in Paris spaziert und hat die ganze große Garnitur bestellt: „Aber natürlich mit meinem eigenen Anfangsbuchstaben, HB!“, soll er der baffen Verkäuferin befohlen haben.

Der blutjunge Mann aus den Salzburger Bergen hatte nämlich angenommen, dass die Koffer, die er nur aus dem Besitz seines Freundes kannte, würden dessen Initialen tragen: LV wie Lucchino Visconti. So kann es kommen, wenn man Österreicher in die weite Welt lässt.

Ich durfte kürzlich in das Haus von Louis Vuitton nach Asniéres reisen, das nahe von Paris an der Seine liegt und wo die Koffer zu Lebzeiten des Gründers des legendärsten und stilvollsten Reisegepäcks der Welt entstanden sind. Unglaublich geschmackvoll ist das da, naja was auch sonst.

Um das alte Atelier wurden neue Werkstätten im Eifel-Stil errichtet, und der Ort ist immer noch voll von diesen Kunsthandwerkern, die das alte Savoir Faire pflegen, und damit Preziosen anfertigen, die man so nirgendwo in der Welt herstellen könnte.

Ich hatte natürlich fest vor, dort einen Koffer mit den Initialen SL zu bestellen und ein wenig in die Fußstapfen Helmut Bergers zu treten. Aber nach ein paar Stunden in diesem Zentrum des Geschmacks und der Gediegenheit wagt man solche Späße nicht mehr. Irgendetwas im Leben muss einem ja doch heilig sein.