Alles steht Kopf
01. August 2018
08 Uhr

Viele Menschen sammeln irgendetwas, Briefmarken, Schiffsmodelle, teure Uhren. Ich sammle Länder. Kürzlich bot sich mir die Gelegenheit, nach Ghana zu reisen und das habe ich natürlich auch gemacht.

Ich finde das immer etwas beschämend, dass wir Westmenschen keine konkrete Vorstellung der afrikanischen Länder und Kulturen haben. In in Accra, der Hauptstadt, die leider sehr trist ist, gibt es leider nur eine wirkliche Attraktion. Es ist eine Art Schloss, in dem die britischen Kolonialherren Sklaven sammelten und weiterverschifften. Dort haben Leute Ihre eigenen Brüder für einen Spiegel eingetauscht. Wahnsinnig traurig eigentlich. Trotzdem ist Ghana heute ein Land, das es als eines der wenigen in der Region geschafft hat, ein friedliches und halbwegs funktionierendes Land zu sein.

Wobei diese Idee ja schon falsch ist, ab wann funktioniert denn ein Land?

Beim Beachball spielen bin ich in eine Glasscherbe gesprungen und es blutete wie Hölle. Ein Fischer hat mich notdürftig verbunden, mir Pflanzen drauf gepackt, wie angeblich antibiotisch wirken. Ich wurde ohne Narkose genäht. Aber es hat funktioniert, nur anders halt.

Eine Woche bin ich durch dieses Land gehumpelt, und irgendwie scheint jeder davon gehört zu haben, dass ich der Deutsche bin, dem das passiert ist. Da war ein ehrliches Interesse an dem, was mir passiert. Auch eine Art von Heilung.

Was ich aus den Ländern, die ich sammle, immer mitnehme, das sind diese besonderen Eindrücke, die ich fotografisch einfangen darf. In Ghana sind es die Menschen, die Ihre Güter auf dem Kopf transportieren. Das hat eine außergewöhnliche Eleganz, eine Würde. Davon erzählen die Bilder.